Agility
Agility Timon
Agility Fancy
Agility Scampolo
Reportage im schweizerischen Hundemagazin
Was?
Agility ist für den Laien das, was das Hindernispringen für Pferde ist.
Ganz grob, denn zum einen sitzt man natürlich nicht auf dem Hund sondern muss
erstens nebenher laufen und schwitzen, zweitens den Hund nicht über Zügel,
sondern über Stimme und vor allem durch Körperbewegungen über die Hürden
dirigieren.
Zum anderen kommen da noch einige andere knifflige Hindernisse dazu:
Der Tunnel, der Sacktunnel, der Reifen, der Slalom, der Steg, die A-Wand und die
Wippe.
So und für die Interessierten jetzt genauer:
Auf den Turnieren gibt es (z.T. Ausnahmen für Anfänger und Senioren) immer zwei
Läufe. Der erste Lauf ist der sog. A-Lauf. Dieser ist der Wichtigere und wird
immer im Leistungsheft vermerkt. Danach erfolgt die Teilnahme am Jumping
(Parcours ohne Kontaktzonen) oder am Spiel (kann vom Verein bzw. vom Richter
individuell gestaltet werden). Diese Läufe und die möglichen Siege sind „just
for fun“, werden aber trotzdem meist mit Pokalen honoriert.
Die Einteilung im Agility erfolgt in Größenklassen.
Es gibt die Gruppe „mini“ für alle Hunde bis zu einem Stockmaß von 34,99 cm.
Diese Größe wird normalerweise nach der bestandenen Begleithundprüfung vom
Richter vermessen und in das Leistungsheft eingetragen.
Mittelgroße Hunde laufen in „midi“. Dies betrifft Hunde zwischen 35 und 42,99 cm
Stockmaß. Noch größere Hunde laufen gesamt in „large“. Dort gibt es keine
weitere Unterteilung mehr. Hier laufen Border, wie Schäferhund oder Briard und
Doggen.
Weiter wird beim Turnier in Leistungsklassen unterschieden.
Die Anfänger können in A0 starten.
Hier werden geringere Anforderungen an die Teilnehmer gestellt. Zum einen ist
der Parcours einfacher gestellt, zum anderen werden manche Hindernisse noch
nicht verlangt. Es wird auf Weitsprung, Slalom, Wippe und Reifen verzichtet. Die
Hürden sind weniger hoch und die A-Wand wird weniger steil gestellt.
Fühlt man sich dem „Anfängerstadium“ entwachsen, läuft man mit seinem Hund in
A1. Diese Klasse beinhaltet alle vorgestellten Hindernisse außer der Wippe. Ab
jetzt wird in einer einheitlichen Höhe gesprungen. Diese kann aber in ihren
Grenzen durch Ermessen des Richters, zum Beispiel bei schlechter Witterung,
variieren.
Diese „Leistungsklasse“ verlässt man erst, wenn man die sich ausreichend
qualifiziert hat:
Drei 0-Fehler-Läufe in A1 mit Platzierung bzw.
fünf 0-Fehler-Läufe in A1 ohne Platzierung.
Hat man dies erreicht, steigt man in A2 auf.
Hier sind die Parcoure noch mal verzwickter und ab dieser Leistungsstufe wird
auch die Wippe verlangt.
Dieses Niveau wird auch in der Klasse der Senioren verlangt. Lediglich die
Hürden werden tiefer gesetzt und auf den Slalom wird bei den älteren Hunden (ab
7 Jahren) verzichtet.
Ist man auch in dieser Klasse „stark“, kann man unter den gleichen Bedingungen
(drei bzw. fünf fehlerfreie Läufe) aufsteigen in A3. Dies ist die
„Meisterklasse“, wird auch gerne in „large“ als Königsklasse bezeichnet. Es ist
wirklich oft ein Genuss, hier zuzusehen. Meist ein wahres Meisterwerk im
Zusammenspiel von Herr und Hund – wobei, auch hier gehört immer das Quäntchen
Glück dazu.
Der Parcours
Der Agility-Parcours besteht meist aus ca. 20 Hindernissen, je nach Ermessen des
Richters.
Ab dem ersten Hindernis erfolgt die Zeitabnahme, die beim letzten Hindernis
endet.
Wie bei den Pferden erfolgen Strafpunkte beim Hürdenabwurf (je fünf Punkte) und
bei der Verweigerung (fünf Punkte). Beim Agility kommen durch die
Kontakthindernisse noch weitere Fehlerquellen hinzu. Wie der Reifen und der
Tunnel muss das Kontakthindernis komplett absolviert werden. Am Anfang und am
Ende befinden sich andersfarbige Kontaktzonen, diese muss der Hund mit
mindestens einer Pfote berühren. Andernfalls erfolgen auch hier fünf Strafpunkte
pro übersprungene Kontaktzone.
Man sieht, dass nicht nur Schnelligkeit für den Sieg entscheidend ist, sondern
erst einmal ein korrekter (0-Fehler) Lauf Grundvoraussetzung für den Platz auf
dem Siegertreppchen ist.
Weitere Angaben und Bewertungen (Zeitfehler, Unterqueren der Hürdenauflage u.a.)
müssen dem gültigen Reglement entnommen werden.
Disqualifikationen erfolgen z.B. bei Start ohne Parcoursfreigabe durch den
Richter und bei falscher Abfolge der Hindernisse.
Interessant ist vielleicht noch, dass der Hundeführer niemals während des Laufs
seinen Hund und die Hindernisse berühren darf und dass Spielzeug und Leckereien
so verwahrt werden müssen, dass nichts aus der Tasche hängt oder fällt. Auch ein
Grund zur Disqualifikation.
Leider klingt das jetzt sehr hart und strikt, aber bei einer Sportart, die auch eine WM stellt, muss das Reglement einfach durchdacht und lückenlos sein, sonst würden sich die Teilnehmer untereinander und mit dem Richter oft in die Wolle kriegen. Im Endeffekt hat man die Regeln jedoch schnell intus und sie stellen selten noch ein Problem dar.
Wer?
Ja, eigentlich ganz profan Hund und Besitzer in den meisten Fällen.
Wobei, hierbei könnte ich auf die Eignung der Teilnehmer eingehen.
Gut, Frauchen oder Herrchen müssen möglichst flott aber natürlich auch lebend im
Ziel ankommen. An sich ist dieser Sport für jedermann geeignet ist.
Wer seinen Hund gut kontrollieren kann und ein gutes Team mit ihm bildet, kann
sich ohne weiteres auch mal Wege sparen und den Hund aus der Ferne „arbeiten“
lassen. Das erfordert aber natürlich viel Training und Vertrauen im Vorfeld.
Ich gehöre nicht zu den sportlichen Athleten, bin ohne den Anreiz durch Pferd
oder Hund schwerlich für Sport zu begeistern. Trotzdem denke ich, dass auch
diese Gruppe von Teilnehmern gut mithalten kann, zum Teil stelle ich mit
Begeisterung fest, dass selbst ältere Damen und Herren, die man eher beim
Prominieren im Park erwarten würde und Agility-Begeisterte der höheren
Gewichtsklassen fest auf Turnieren vertreten sind.
Die Eignung des Hundes.
Tja, da sind wir bei dem Punkt, dass es nichts Schöneres gibt als ein bunt
gemischtes Hunde-Publikum bei einem Agility-Turnier.
Traurig, wenn der Wunsch nach einem Sieg oder Aufstieg einen zu einer
Hütehundrasse wie den Border Collie, Australian Shepherd oder Sheltie drängt.
Ich denke, dass hier wieder Konstitution und Kondition des Hundes entscheidend
für die Teilnahme (nicht für den Sieg) sind.
Der Hund sollte von seiner Anatomie her korrekt gebaut, eher „hoch“ als „lang“
sein und generell nicht den schweren und großen Rassen angehören.
Dies ist notwendig, damit das, doch hohe und zahlreiche Springen nicht auf
Kosten der Gesundheit geht. Zudem ist für einen großen Hund das Durchqueren der
Tunnel sehr mühsam.
Die Kondition anbelangend ist die Dauer des täglichen Gassigehens weniger
entscheidend als die Idealfigur des Hundes bezüglich seines Gewichts. Ist der
Hund übergewichtig, ist es eine Fahrlässigkeit des Besitzers diesen im Agility
zu trainieren.
Hat Ihr Hund die körperlichen Voraussetzungen für diese sportliche
Beschäftigung, kommt es jetzt nur noch auf Ihr Team an und wie und ob sie Ihren
Hund ausreichend motivieren und kontrollieren können.
Es gibt langsame Hunde, die zwar ihre Sache „schön“ machen, aber doch den
wirklichen Eifer nicht erkennen lassen. Vielleicht kann man dem Vierbeiner aber
durch die geeignete Wahl des Motivationsmittels noch auf die Sprünge helfen.
Es gibt schnelle Hunde und zeitweise sogar zu schnelle. Schön, wenn der Hund
Freude am Parcours, schnell die Hindernisse „intus“ hat und es am Start kaum
noch erwarten kann. Weniger schön, wenn er vor Ihnen im Ziel ist, wobei er dann
selten den Parcours nach Ihren Vorstellungen abgelaufen hat.
Es muss einhergehen, je schneller das Team wird, umso eingespielter muss es
sein, um so mehr muss die Beziehung stimmen.
Einer kann nicht ohne den anderen.
Wann?
Zum Einem betrifft das „wann“ erst einmal das Alter des Hundes.
Davon ausgehend, dass ein kleinwüchsiger Hund ca. mit 12 Monaten, ein Hund einer
großwüchsigen Rasse jedoch erst mit ca. 18 Monaten als ausgewachsen zu
betrachten ist, kann man in diesem Alter dann, wenn die erforderliche Kondition
besteht, mit dem Sprungtraining beginnen.
Da Agility ja nicht nur aus Hürden besteht, sei hier erwähnt, dass gegen ein
welpengerechtes Training am Tunnel und evtl. auch in vereinfachter Form an den
Kontaktgeräten nichts einzuwenden ist. Welpengerecht heißt, dass der Hund von
der Dauer der Trainingseinheit und von dem Schwierigkeitsgrad nicht überfordert
wird.
Junghunde können auch mit dem Slalom (je nach Trainingsmethode auch nur wenige
Stangen) vertraut gemacht werden. Hierbei spreche ich von „Kennenlernen“.
Schnell ist der Ergeiz geweckt und der Hund wird „sauer“ trainiert. Bitte das
nicht.
Agility ist natürlich vorrangig ein Sommersport.
Doch immer mehr Vereine suchen sich auch geeignete Möglichkeiten, die
Winterpausen zu verkürzen bzw. diese aufzuheben. Oft bietet sich die Benutzung
einer Reithalle ein, sofern diese Regelung möglich ist.
Auch Hallenturniere werden angeboten. Diese werden sehr gut angenommen. Die
Lautstärke ist nicht zu unterschätzen und der Boden in der Reithalle ist ebenso
eine Herausforderung für die Hunde. Nichtsdestotrotz macht dieser Ausreißer aus
der Winterruhe Spaß und es ist auch, abgesehen von manchen Auseinandersetzungen
zwischen den aufgeregten Hunden, richtig kuschelig und gemütlich in der
entsprechenden Reithalle so eng zusammen zu sitzen.
Wie?
Tja, auf alle Fälle sollte man sich einem Hundeverein anschließen. Hier ist man
nicht nur meist gut aufgehoben und hat fachkundige Hilfe zur Hand, sondern dies
ist auch die einzige Möglichkeit irgendwann einmal in einem Turnier zu starten.
Ich selbst bin im Schäferhundverein OG Traunreut.
Natürlich kann man immer von Vor- und von Nachteilen berichten.
Von Vorteil ist, dass hier nie „Abzocke“ betrieben wird. Es ist irrsinnig, welch
horrende Teilnehmergebühren manche privaten Vereine verlangen. Agility, sowie
Hundeausbildung an sich, muss nicht teuer sein!
Dass man aber mit seinem vierbeinigen Freund gut aufgehoben ist, muss man
natürlich sicherstellen. Ausbildungsmethoden gibt es hunderttausende, aber es
muss konkret die Richtige für Ihren Hund und Sie sein. Späte Einsicht zieht
nicht nur vergeudete Zeit nach sich, sondern führt auch oft zu Probleme mit dem
Hund oder zu einem gestörten Vertrauensverhältnis mit dem Partner Hund. Seien
Sie in dieser Hinsicht bitte wachsam und registrieren Sie jedes kleine Anzeichen
wenn die Ausbildung in die falsche Richtung läuft. Beobachten Sie die fertigen
Teams, was erreichen sie miteinander? Wie lange sind die Mitglieder aktiv im
Verein dabei oder gibt es viele Wechsel, wie lange sind die Hunde gesundheitlich
einsetzbar? Sind die Alteingesessenen für Neues offen?
Es wird nie den perfekten Verein geben, lebt er doch mit und von uns Mitgliedern
mit unseren täglich neuen Ideen, Vorstellungen und Fehlern.
Bilder

Fotoalbum von Scampolo
gestiftet von
www.lightroom-studios.de